Das Wichtigste in Kürze
– Stahlbeton besteht aus Beton und eingelegtem Betonstahl (B500 nach DIN 488), meist im Raster von 15–20 cm mit 20–40 mm Betondeckung.
– Bewehrung immer zuerst orten – mit Bewehrungsdetektor oder Multiscanner – und den Bohrpunkt nach Möglichkeit um 3–5 cm versetzen.
– Statisch tragende Bewehrung und Spannglieder (Spannbeton) niemals durchtrennen: Es droht Tragfähigkeitsverlust bis zum Bauteilversagen.
– Muss Stahl durch, hilft ein SDS-Max-Bohrhammer mit Vierschneider-Bewehrungsbohrer – Schlag reduzieren, mit gleichmäßigem Vorschub durchbohren.
– PSA und Staubabsaugung sind Pflicht: Quarzstaub ist krebserzeugend, blockierende Bohrer verursachen gefährlichen Rückschlag.
Stahlbeton bohren gelingt sicher, wenn Sie die Bewehrung vor dem ersten Bohrloch orten und wissen, wann Sie den Stahl umgehen und wann Sie ihn kontrolliert durchbohren dürfen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Armierung zuverlässig erkennen, den passenden SDS-Max-Bohrer wählen und mit richtiger Drehzahl, Kühlung und Schutzausrüstung arbeiten – ohne die Statik zu gefährden.
Was ist Bewehrung – und warum ist sie beim Bohren so kritisch?
Bewehrung ist der in den Beton eingelegte Stahl, der die Zugkräfte aufnimmt – genau deshalb darf man ihn nicht beliebig durchtrennen. Beton hält hohen Druck aus, ist bei Zug aber schwach; erst die Armierung aus Betonstahl B500A/B500B nach DIN 488 macht das Bauteil tragfähig.
Übliche Stabdurchmesser liegen bei 6, 8, 10, 12, 16, 20 und 25 mm, verlegt als Bewehrungsmatten oder Einzelstäbe im typischen Raster von 15 bis 20 cm. Die Betondeckung – der Abstand von der Oberfläche bis zum ersten Stahl – beträgt je nach Bauteil und Expositionsklasse meist 20 bis 40 mm, im Außen- und Feuchtbereich eher mehr. Wer beim Stahlbeton bohren auf einen tragenden Stab trifft und ihn durchtrennt, schwächt das Bauteil dauerhaft. Bei Spannbeton mit vorgespannten Spanngliedern kann schon ein einziger beschädigter Draht zum schlagartigen Versagen führen – hier ist jedes Anbohren tabu.
Bewehrung erkennen und orten: So finden Sie den Stahl
Orten Sie die Bewehrung vor dem Bohren mit einem Bewehrungsdetektor oder Multiscanner – das ist der einzige zuverlässige Weg, teure Treffer und beschädigte Leitungen zu vermeiden. Sichtprüfung allein genügt nicht, weil der Stahl mehrere Zentimeter unter der Oberfläche liegt.
In der Praxis haben sich vier Methoden etabliert:
| Methode | Erkennt | Typische Tiefe | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Bewehrungsdetektor (Ferroscanner) | Betonstahl, Lage, oft Tiefe/Durchmesser | bis ca. 15 cm | Standard vor jeder Bohrung |
| Multiscanner / Wandscanner | Stahl, Kupfer, stromführende Kabel, Holz | ca. 8–12 cm | Wände mit Elektro-/Rohrinstallation |
| Georadar (GPR) | Stahl, Rohre, Hohlräume | 30–50 cm | dicke Bauteile, Nachweise |
| Sichtprüfung | Rostfahnen, Rissraster, Abplatzungen | Oberfläche | erste Einschätzung |
Praxis-Tipp: Scannen Sie ein Kreuzraster ab, markieren Sie die georteten Stäbe mit Bleistift und bohren Sie möglichst mittig zwischen zwei Stäben. Regelmäßige Rostfahnen oder ein gleichmäßiges Rissmuster verraten die Stahllage übrigens auch ohne Gerät – als grobe Vorabkontrolle.
Durchbohren oder umgehen? Die richtige Entscheidung
Umgehen Sie die Bewehrung, wann immer es geht – durchbohren Sie sie nur, wenn der Bohrpunkt fixiert ist und die Statik es zulässt. In den meisten Fällen reicht es, das Loch um wenige Zentimeter zu versetzen, um den nächsten Stab zu meiden.
Nicht verhandelbar sind drei Grenzen: In statisch relevanten Bauteilen wie Stützen, Unterzügen und Decken gehört die Entscheidung in die Hände eines Statikers oder Fachplaners. Spannbeton ist absolut tabu – Spannglieder dürfen nie angebohrt werden. Und Durchbrüche in tragenden Wänden brauchen eine Freigabe. Ist das Durchbohren dagegen unvermeidbar, etwa bei einer fixen Dübelposition, gilt: nur Schlaffbewehrung, möglichst dünne Stäbe, und ausschließlich mit einem Bewehrungsbohrer. Als Faustregel gilt, dass ein einzelner durchtrennter dünner Stab in einer unkritischen, nicht tragenden Wand meist unproblematisch ist – im Zweifel immer den Fachmann fragen.
Der richtige Bohrer: SDS-Max und Bewehrungsbohrer
Für Stahlbeton nutzen Sie einen Bohrhammer mit SDS-Max-Aufnahme und – sobald Stahl im Spiel ist – einen Vierschneider-Bewehrungsbohrer. Die Aufnahme entscheidet über Schlagenergie und Bohrdurchmesser, die Schneidengeometrie über das Verhalten am Stahl.
| Merkmal | SDS-Plus | SDS-Max |
|---|---|---|
| Schaft-Ø | 10 mm | 18 mm |
| Bohr-Ø typisch | 4–30 mm | 16–50+ mm |
| Schlagenergie | gering bis mittel | hoch |
| Ideal für | Dübellöcher, dünne Wände | tiefe Löcher, Durchbrüche, Stahlbeton |
Der entscheidende Unterschied liegt in der Schneidenzahl: Ein normaler Zweischneider verläuft auf der Bewehrung, verkantet und kann abrutschen. Ein Vierschneider- oder Mehrschneider-Bewehrungsbohrer zentriert dagegen sauber, trennt den Stahl kontrolliert und bietet eine deutlich höhere Standzeit. Ein durchgehender Vollhartmetallkopf hält die Schneiden auch im harten Beton lange scharf. Für tiefe Löcher zählt zusätzlich die Wendelgeometrie, die das Bohrmehl zuverlässig aus dem Bohrloch fördert.
Technik: Drehzahl, Schlag, Kühlung und Standzeit
Beim Auftreffen auf Bewehrung reduzieren Sie den Schlag, senken die Drehzahl und arbeiten mit gleichmäßigem Vorschub – so schonen Sie Bohrer und Bauteil. Im reinen Beton arbeiten Sie dagegen mit voller Hammerfunktion und mittlerer Drehzahl.
Den Stahlkontakt spüren Sie deutlich: Der Bohrer stockt, der Widerstand steigt, der Vorschub stoppt trotz laufendem Schlagwerk. Jetzt schalten Sie den Schlag zurück oder auf reines Bohren, senken die Drehzahl und arbeiten mit Gefühl statt mit Gewalt. Beim Hammerbohren wird trocken gearbeitet – planen Sie aber Pausen ein, damit das Hartmetall nicht überhitzt; Überhitzung führt zum Ausglühen und raschen Verschleiß der Schneide. Nur die Diamant-Kernbohrung läuft mit Wasserkühlung. Für eine lange Standzeit fahren Sie den Bohrer außerdem regelmäßig aus und wieder ein, um das Bohrmehl zu räumen, damit der Bohrer nicht klemmt.
Sicherheit beim Stahlbeton bohren
Stahlbeton bohren ist beherrschbar, wenn Sie persönliche Schutzausrüstung tragen, den Staub absaugen und jederzeit mit einem blockierenden Bohrer rechnen. Der größte Risikofaktor ist der Rückschlag, wenn der Bohrer auf Stahl schlagartig festsitzt.
Sicherheits-Checkliste vor und beim Bohren:
- [ ] Schutzbrille, Gehörschutz, FFP2/FFP3-Staubmaske und feste Handschuhe angelegt
- [ ] Staubabsaugung oder Absaughaube im Einsatz – Quarzstaub (Silikose, krebserzeugend) minimieren
- [ ] Strom- und Wasserleitungen vorab mit dem Multiscanner geortet
- [ ] Bohrhammer mit Sicherheits-/Rutschkupplung gegen Rückschlag geprüft
- [ ] Zusatzhandgriff montiert, sicherer Stand und beidhändige Führung
- [ ] Beim Verkanten auf Bewehrung: Gerät fest halten, Auslösen der Kupplung abwarten, nicht nachdrücken
- [ ] Kein Spannbeton anbohren – im Zweifel Statiker oder Fachplaner einbeziehen
Produktempfehlung: WERHE Betonbohrer SDS-Max 16 × 600 mm
Für tiefe Bohrungen in Stahlbeton ist der WERHE Betonbohrer SDS-Max 16 × 600 mm eine praxisgerechte Wahl – die lange Bauform mit robustem Hartmetallkopf erreicht auch dickere Bauteile und Wanddurchbrüche. Die SDS-Max-Aufnahme überträgt die hohe Schlagenergie kräftiger Bohrhämmer, während die durchgehende Wendel das Bohrmehl zuverlässig aus tiefen Löchern fördert – das reduziert Hitze und Verkanten.
Die Betonbohrer von WERHE sind auf saubere Rundlaufeigenschaften und lange Standzeit im harten Beton ausgelegt. Im normalen Stahlbeton mit Schlaffbewehrung meistert der Bohrer den üblichen Stahlkontakt; wenn Sie dickere Bewehrung gezielt durchtrennen wollen, planen Sie ergänzend einen Vierschneider-Bewehrungsbohrer ein. Alle technischen Angaben und Details sehen Sie direkt auf der Produktkarte:
WERHE Betonbohrer SDS MAX 16x600mm – Hammerbohrer für Beton und Ziegel – 4-Schneiden
Preisstand: 19.02.2026, 16:34 Uhr
Häufige Fragen (FAQ)
Kann man Bewehrung im Stahlbeton einfach durchbohren?
Kleine, nicht tragende Stäbe ja – mit einem Vierschneider-Bewehrungsbohrer und reduziertem Schlag. Tragende Bewehrung und Spannglieder dürfen Sie niemals durchtrennen.
Woran erkenne ich, ob ich auf Bewehrung getroffen bin?
Der Bohrer stockt plötzlich, der Widerstand steigt spürbar an und der Vorschub stoppt, obwohl das Schlagwerk läuft. Oft wird die Bohrerspitze dabei heiß.
Welcher Bohrer eignet sich für Stahlbeton?
Ein SDS-Max-Bohrhammer mit Hartmetall-Betonbohrer. Sobald Stahl durchtrennt werden muss, wechseln Sie auf einen Vierschneider-Bewehrungsbohrer.
SDS-Plus oder SDS-Max für Stahlbeton?
SDS-Plus reicht für Dübellöcher bis etwa 30 mm. Für tiefe Löcher, große Durchmesser und Durchbrüche nehmen Sie SDS-Max mit deutlich mehr Schlagenergie.
Muss ich beim Bohren kühlen?
Beim Schlagbohren wird trocken gearbeitet – legen Sie nur Pausen ein, damit das Hartmetall nicht überhitzt. Mit Wasser gekühlt werden ausschließlich Diamant-Kernbohrungen.
Wie tief sitzt die Bewehrung im Beton?
Die Betondeckung liegt meist bei 20 bis 40 mm, im Außen- und Feuchtbereich oft mehr. Ein Bewehrungsdetektor zeigt Ihnen die genaue Tiefe.
Darf ich in eine tragende Wand oder Decke bohren?
Flache Dübellöcher sind meist unkritisch. Bei Durchbrüchen oder tiefen Bohrungen in tragenden Bauteilen holen Sie vorher die Freigabe eines Statikers oder Fachplaners ein.